MEHR ALS EIN AUTO: WAS SIND INVESTMENT CARS?

MEHR ALS EIN AUTO: WAS SIND INVESTMENT CARS?

Die Auswahl an traditionellen Investments ist groß, aber das gilt in ähnlicher Weise für die Beliebtheit von alternativen Möglichkeiten der Geldanlage. Eine Option sind sogenannte Investment Cars, die vor allem von Sammlern sehr geschätzt werden. Anders als bei Investments in Aktien oder Immobilien, gehört beim Investieren in klassische Autos eine gehörige Portion Emotionen dazu. Die wichtigste Frage im Zusammenhang mit Oldtimern und Youngtimern als Wertanlage lautet deshalb: Lohnt es sich überhaupt, Geld in klassische und seltene Automobile zu stecken?

Der Markt für seltene Automobile ist da

Das Mercedes-Benz 300 SLR Coupé ist in vielerlei Hinsicht ein Automobil für Rekorde. Als dieses besondere Fahrzeug 1955 von Rudolf Uhlenhaut entwickelt wurde, bedeuteten die 302 PS des Sportwagens eine für die damalige Zeit herausragende Leistungsstärke. Bei der ersten Teilnahme an der Sportwagen-Weltmeisterschaft im Jahr seiner Entstehung, erzielt der Mercedes-Benz 300 in der Super Leicht Rennsport-Variante mit Stirling Moss am Steuer auf der berühmten Mille Miglia eine Rekordzeit.

Bei einer möglichen Höchstgeschwindigkeit von rund 300 km/h ist eine solche Leistung kaum verwunderlich, die Konkurrenz unter den damaligen deutschen Sportwagen kommt über Spitzengeschwindigkeiten von 200 km/h nicht hinaus.

Rund 70 Jahre nach seiner Entstehung ist das sogenannte Uhlenhaut Coupé immer noch in der Lage, Rekordmarken zu setzen. Bei einer Auktion des auf Autos spezialisierten Auktionshauses RM Sotheby’s zahlte ein privater Sammler den bislang höchsten jemals für ein Classic Car aufgerufenen Preis: Er erhielt den Zuschlag für einen der lediglich zwei existierenden Prototypen bei einem Gebot von 135 Millionen Euro.

Der Markt für klassische und seltene Automobile und wie er sich entwickelt

Damit ist das Mercedes 300 SLR Coupé in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung und das gilt auch im Zusammenhang mit den Erwartungen an den Markt für klassische und seltene Autos. Denn nüchtern betrachtet sind es vor allem die geringen Stückzahl und des perfekten Erhaltungszustand, die den enormen Preis für dieses eine Auto mit zu verantworten haben – natürlich zusammen mit der Geschichte hinter dem Auto.

Exquisite Sammlerstücke wie dieses sind die Ausnahme und damit nicht repräsentativ für die potenziellen Gewinne, die Anleger mit außergewöhnlichen Automobilen zu erzielen hoffen. Daran ändert auch die langfristige Perspektive zunächst wenig, die sich zum Beispiel beim Blick auf den Deutschen Oldtimer-Index DOX des Verbands der Automobilindustrie (VDA) ergibt.

Der DOX versucht seit 1999, eine Aussage zu den Trends bei der Wertentwicklung von Oldtimern auf dem deutschen Markt zu treffen. Seit den ersten Erhebungen bis zum Jahr 2024 zeigt sich eine äußerst positive Entwicklung: Innerhalb von 25 Jahren hat es insgesamt eine Wertsteigerung von 193 Prozent gegeben. Wie groß der letztendliche Wertzuwachs ist, hängt jedoch von einer Reihe von Faktoren ab.

Für den zurückliegenden Betrachtungszeitraum sorgten beispielsweise hohe Inflationsraten und das geringe Wirtschaftswachstum für ein zurückhaltendes Anwachsen. Ein Prozent Wachstum des DOX im Vergleich zum Vorjahr bedeuten aber auch, dass der Trend weiterhin nach oben zeigt. Zudem weicht die Preisentwicklung bei manchen Fahrzeugmodellen stärker nach oben ab als die des Gesamtmarkts. Grundsätzlich beurteilt der VDA die Entwicklung als positiv, da bei der Auswahl der 88 repräsentativ ausgewählten Fahrzeuge kaum Schwankungen des Werts zu beobachten sind.

Investitionen und Emotionen

Anders als bei konventionelleren Anlageobjekten spielen bei Investment Cars immer Emotionen mit. Nostalgie und Leidenschaft treffen auf die Faszination für einzigartige und ungewöhnliche Designs. Der emotionale Wert solcher Sammlerstücke für den einzelnen lässt sich, wie bei allen Sammelobjekten, nicht beziffern.

Die Frage ist deshalb, ob eine Wertsteigerung überhaupt relevant ist, oder ob es in erster Linie darum geht, das Sammlerherz und individuelle Vorlieben zu befriedigen. Grundsätzlich lässt sich beides auch miteinander verbinden. Dann kommt es wiederum darauf an, wie groß die Investitionen sein dürfen und welche Wertsteigerungen erwartet werden.

Genau wie bei anderen Kapitalanlagen gilt es, eine Balance zwischen Sicherheit und Ertrag zu schaffen, zwischen Werterhalt und Wertsteigerung. Unter diesen Gesichtspunkten unterscheidet sich die Investition in ein seltenes Automobil nicht wesentlich von „konventionelleren“ Investments, die beispielsweise durch Diversifikation und Analysen versuchen, das Risiko für die Anleger zu minimieren und individuelle Ziele und Vorstellungen zu erfüllen.

Wer seine Leidenschaft für klassische Autos mit der Suche nach einer alternativen Geldanlage verbinden möchte, sollte deshalb ebenfalls den Markt sondieren – und sich nicht zu sehr festzulegen. Dann eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, weil der Markt für Oldtimer und Youngtimer mit Wertzuwachspotenzial sehr breit aufgestellt ist.

Welche Automobile eignen sich als Wertanlage?

Pauschale Aussagen darüber, mit welchen Fahrzeugen sich die besten Wertsteigerungen erzielen lassen, sind kaum möglich. Verallgemeinerungen sind nicht nur wegen äußerer Umstände schwierig, die sich auf den Oldtimer-Markt auswirken können, wie eben Inflationsraten oder die Zahl von Fahrzeugzulassungen. Häufig verändern sich auch die Geschmäcker, so dass bestimmte Fahrzeuge stärker nachgefragt werden.

Der Vorteil besteht darin, dass ein Wertzuwachs sogar mit Autos möglich ist, die in der Anschaffung vergleichsweise günstig sind. Bestimmte Ausstattungsmerkmale und Motoren sorgen dafür, dass ein Automobil plötzlich interessant wird und in seinem Wert steigt. Gefragt ist in erster Linie, was besonders ist. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Fahrzeug besonders alt sein muss.

Youngtimer mit besonderer Ausstattung können punkten

Ein hervorragendes Beispiel für dieses Prinzip ist der Suzuki Jimny, der wirklich kein Sportwagen ist. Der Jimny ist ein leichter Geländewagen aus Japan, der dort bereits seit 1968 unter diesem Namen produziert wurde. Auf dem europäischen Markt erhielt erst die dritte Generation des Modells, die 1998 eingeführt wurde, diesen Namen.

Inzwischen wird der Suzuki Jimny nur noch als Nutzfahrzeug mit zwei Sitzen verkauft. Vorherige Generationen waren jedoch als alltagstauglichere Viersitzer erhältlich und sind deshalb sehr begehrt. Während ein Jimny am Anfang der 2000er Jahre als Neuwagen für einen Basispreis von rund 18.000 Euro zu bekommen war, liegen die Preise selbst für gebrauchte Modelle mit hoher Laufleistung deutlich darüber.

Der Wert steigt mit dem Besonderen

Wenn es keine Wertanlage in Millionenhöhe sein soll, sind auch modernere Sport- und Hypercars aus den späten 1980er bis zu den frühen 2000er Jahren eine potenziell gewinnbringende Investitionsmöglichkeit. Wie groß die Wertsteigerung über die Zeit gesehen ausfällt, hängt von mehreren Aspekten ab.

Eine geringe Laufleistung, ein guter Allgemeinzustand und eine geringe Stückzahl sind in jedem Fall wertsteigernde Faktoren. Genauso tragen außergewöhnliche Farben oder Ausstattungsmerkmale – wie beim Suzuki Jimny – dazu bei, die Preise für ein Fahrzeug zu steigern.

Unter den beliebtesten Oldtimern im Deutschen Oldtimer-Index finden sich dementsprechend nicht nur die zu erwartenden Luxusmarken, wenn es um das Thema „Auto als Anlageobjekt“ geht. Dort stehen unter anderem moderne Klassiker wie der Volkswagen Typ 3 in verschiedenen Modellvarianten oder der Ford Escort aus den Jahren 1968 bis 1970. Auch mit älteren Golf-Modellen wie dem Golf 2 können Sammler und Anleger unter Umständen ein gutes Geschäft machen, wenn die Autos beispielsweise über eine besondere Motorvariante wie GTI oder R32 verfügen.

Lohnt sich die Investition in ein klassisches Auto?

Die Wertsteigerung von Oldtimern und Youngtimern erfordert von den Anlegern einen nicht zu unterschätzenden Aufwand. Selbst der Werterhalt kann nur durch eine umfassende Pflege der betreffenden Fahrzeuge gewährleistet werden. Kaufen und auf den Wertzuwachs warten, das funktioniert mit Investment Cars nicht.

Vielmehr braucht es eine geeignete, trockene Unterstellmöglichkeit, regelmäßige Überprüfungen müssen vorgenommen und das Fahrzeug muss ebenso regelmäßig bewegt werden. Verschleißteile zu ersetzen, kann bei älteren Automobilen ein erheblicher Kostenfaktor sein.

Aus diesem Grund sind klassische und seltene Autos in der Regel nur bedingt als eine alternative Anlageform geeignet. Zu stark sind sie mit den Emotionen der Investoren verknüpft, die sich einen Kindheitstraum erfüllen, in Erinnerungen schwelgen oder einfach nur ein besonderes Design besitzen wollen. Neben den Anschaffungskosten müssen Anleger mit zusätzlichen Ausgaben für Pflege und Unterhalt rechnen. Deshalb sind Investment Cars eher Sammel- als Anlageobjekt – auch wenn Fans von klassischen Automobilen das sicher anders sehen.